Immobilien sind üblicherweise eine langfristige Anlage. Eine goldene Bankregel besagt zudem, dass langfristige Anlagen auch langfristig finanziert werden sollen. Um diesem Anspruch zu genügen, müssten Immobilien mit einer über Jahrzehnte laufenden Festzinshypothek finanziert werden. In der Praxis werden jedoch immer mehr Eigenheime und auch Renditeobjekte immer kurzfristiger hypotheziert. Es ist davon auszugehen, dass Immobilien öfters die Hand wechseln als vordergründig angenommen. Veränderte wirtschaftliche Verhältnisse, private Ereignisse wie Trennungen oder Scheidungen, Arbeitsplatz- und Wohnortswechsel veranlassen viele Immobilieneigentümer, plan- oder auch ausserplanmässige Verkäufe vorzunehmen. Bei einem solchen Verkauf haben langfristig abgeschlossene Hypothekarverträge mit Laufzeiten von 5-10 Jahren negative Folgen. Der Verkäufer muss oftmals einen noch über einige Jahre laufenden Hypothekarvertrag vorzeitig auflösen. Dies ist meist mit hohen Ausstiegskosten verbunden. Als geradezu ideale Finanzierungsalternative präsentiert sich die so genannte Libor-Hypothek. Diese Hypothekarprodukte zeichnen sich durch kurze Laufzeiten von drei bis zwölf Monaten aus. Sie werden jeweils bei Verfall um eine weitere kurze Laufzeit verlängert usw. Bei Anzeichen von steigenden Zinsen lassen sich diese Hypotheken aber auch in eine länger laufende Festzinshypothek (z.B. fünf Jahre fest) umwandeln. Diese Libor-Hypotheken waren in den letzten vier Jahren deutlich günstiger als variable Hypotheken oder Festzinshypotheken. Wer in den letzten drei Jahren stets sechsmonatige Libor-Finanzierungen abgeschlossen hat, profitierte im Vergleich zu einer dreijährigen Festzinshypothek markant. Eine langfristige Anlage mit kurzfristigem Geld zu finanzieren widerspricht der allgemeinen Regel und birgt gewisse Risiken. Bei schnell und stark ansteigenden Zinsen wären kurzfristige Geldaufnahmen vermutlich am stärksten von einem unangenehmen Zinsanstieg betroffen. Trotzdem gibt es drei gute Gründe, ein Libor-Modell zu empfehlen: Seit anfangs 2001 prognostizieren Banken und Wirtschaftsfachleute steigende Zinsen. Eingetroffen ist bis heute das Gegenteil. Libor-Hypothek lassen sich bei Ablauf einer ihrer kurzen Laufzeiten in eine Festzinshypothek umwandeln. Zudem kann das Libor-Hypothekenmodell mit einem gegen oben festgelegten Maximalzinsfuss (Zinsdeckel) „versichert" werden. Eine gute Hypothekenstrategie für die Finanzierung von Eigenheimen oder Renditeobjekten beinhaltet heute zumindest einen Anteil Libor-Hypotheken. Lassen sie sich dabei jedoch professionell beraten und begleiten!
Werner Egli, egli & partner, Hypothekarberatungen, Uster erschienen Dezember 2005 im Anzeiger von Uster/Zürcher Oberländer. |